{"id":645,"date":"2017-07-18T12:27:52","date_gmt":"2017-07-18T11:27:52","guid":{"rendered":"http:\/\/heidenstammtisch-trier.de\/?p=645"},"modified":"2017-07-18T12:27:52","modified_gmt":"2017-07-18T11:27:52","slug":"das-heidentum-oder-viele-heidentuemer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/heidenstammtisch-trier.de\/treverer\/2017\/07\/18\/das-heidentum-oder-viele-heidentuemer\/","title":{"rendered":"Das Heidentum? &#8211; Oder viele Heident\u00fcmer?"},"content":{"rendered":"<p>Unser Stammtisch verfolgt ein offenes Konzept. Das bedeutet, dass wir germanische Heiden, keltische Heiden und Hexen in unseren Reihen haben und offen f\u00fcr alle paganen Richtungen sind. Da wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten besinnen, gewinnen wir alle aus dieser Situation und k\u00f6nnen unseren Horizont und unser Wissen kontinuierlich erweitern.<\/p>\n<p>Wenn wir uns diese Bezeichnungen, wie z.B. germanischer Heide aber mal genauer ansehen, f\u00e4llt schon in unserer Gruppe auf, dass dies sehr unterschiedlich interpretiert wird. Der eine hat einen philosophischen Zugang zum Heidentum, der andere einen stark theistischen, der eine legt den Focus auf die Ahnenverehrung, der andere auf die G\u00f6tter und manch einer sogar auf Loki und die Riesen. Unterschiedliche Aspekte derselben \u201eSache\u201c sprechen die Heiden unterschiedlich an und besch\u00e4ftigen diese in verschiedenster Intensit\u00e4t. Diese Schwerpunkte ver\u00e4ndern sich in der Regel auch im Laufe der Zeit. Mein individuelles Heidentum ist zum Beispiel heute ein ganz anderes als vor zehn Jahren. Es entwickelt sich fortlaufend. In der Gruppe, wie bei unserem Stammtisch, ist das oftmals \u00fcbersichtlich und man kennt einander \u2013 oder lernt sich kennen und verstehen.<\/p>\n<p>Wenn wir den Blick mal \u00fcber das gesamte Heidentum in Deutschland schweifen l\u00e4sst, dann stellt man fest, dass jede grobe heidnische Richtung so ihre Grabenk\u00e4mpfe hat. Ich lasse jetzt mal bewusst den rechten Rand au\u00dfen vor, es geht mir in erster Linie um das Heidentum, welches im Selbstverst\u00e4ndnis eine recht deutliche Abgrenzung zu diesem Bereich hat.<\/p>\n<p>Stark vereinfacht l\u00e4sst sich feststellen, dass es im Wesentlichen \u2013 nach meiner Beobachtung &#8211; folgende Auspr\u00e4gungen von Heiden gibt, auch wenn es in dieser Beschreibung jetzt zun\u00e4chst nur sehr oberfl\u00e4chliche Pauschalisierungen sind und \u00dcberschneidungen die Regel:<\/p>\n<p>1. Die Heiden, die sich als Heiden einer alten, mehr oder weniger ungebrochenen Tradition sehen. Oftmals ist Gewandung in diesen Kreisen weit verbreitet. Da aber tats\u00e4chlich historisch gesehen sehr viel verloren gegangen ist, ist die Quellenlage nicht immer eindeutig und rekonstruiert. Dennoch ist ein klarer Hang zum Alten erkennbar, ein Hauch Reenactment im Heidentum ohne unbedingt historisch authentisch sein zu k\u00f6nnen. Daraus k\u00f6nnen sich sich auch sehr fantasylastige Formen entwickeln.<\/p>\n<p>2. Die Heiden, die sich als moderne Heiden verstehen. Man versucht das Heidentum, in die heutige Zeit zu transportieren, und hat in der Regel auch kein Problem damit neue Rituale und Traditionen zu entwickeln oder zu \u00fcbernehmen. Gewandung ist hier eher selten. Oft wird hier eine \u201eWas nicht passt \u2013 wird passend gemacht\u201c-Mentalit\u00e4t unterstellt.<\/p>\n<p>Dann gibt es noch die Frage wie wichtig die Quellen sind. W\u00e4hrend es sehr akademisch orientierte Heiden gibt, denen es wichtig ist f\u00fcr alles eine Quelle nennen zu k\u00f6nnen und viele Traditionen und Rituale rekonstruieren, gibt es dann auch die Heiden die weitaus mehr Wert auf ihr \u201eBauchgef\u00fchl\u201c legen. Hier gibt es viel Konfliktpotenzial, denn w\u00e4hren die \u201ewissenschaftlichen\u201c Heiden oftmals arrogant wirken, da diese alles hinterfragen und so manches \u201espirituelles Kartenhaus\u201c in ihrem meistens gutgemeinten Aufkl\u00e4rungswillen einfach so einst\u00fcrzen lassen, das so manch anderem \u201eBauchgef\u00fchl\u201c-Heiden sehr wichtig geworden sein mag. In sozialen Netzwerken und Foren im Internet kann man solche Diskussionen immer wieder beobachten. Das Problem, das dadurch entsteht, ist meiner Meinung nach, dass beide Gruppen anfangen unter sich zu bleiben, und die einen wom\u00f6glich den Bezug zum gelebten Heidentum in Ihren Diskussionen verlieren, w\u00e4hrend die anderen in eine Blase geraten, die auch den Weg in gef\u00e4hrlichere Theorien, wie der Ariosophie ebnen, eine Gleichg\u00fcltigkeit oder gar Ablehnung gegen\u00fcber der Wissenschaft entstehen lassen k\u00f6nnen. H\u00e4ufig sehe ich in dieser Gruppe leider einen Hang dubiose Symboliken (z. B. Schwarze Sonne, Kolvrat) zu nutzen bzw. zu relativieren oder eine Affinit\u00e4t zu Verschw\u00f6rungstheorien entstehen (besonders h\u00e4ufig zur Ablehnung der Schulmedizin). Die Situation wirkt also h\u00e4ufig wie \u201eSpiritualit\u00e4t gegen Wissenschaft\u201c.<\/p>\n<p>Besonders heikel ist allerdings wenn die Medien das Heidentum darstellen. Ein durchschnittlicher Journalist geht da nicht mit dem erforderlichen Fingerspitzengef\u00fchl heran, bzw. wei\u00df nichts von den Str\u00f6mungen des Heidentums. Nat\u00fcrlich ist es f\u00fcr einen Journalisten und auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit interessanter \u00fcber die zu berichten oder zu erfahren, welche herausstechen und auffallen. Und w\u00e4hrend es den einen Heidengruppen und den Vereinen darum geht, den Heiden in der Mitte der Gesellschaft darzustellen und Vorurteile abzubauen, mit Quellen und Grundlagen eine gewisse Seriosit\u00e4t zu vermitteln, stellt die andere Heidengruppe das Paradiesvogelimage heraus und stellt sich so bewusst abseits der Gesellschaft. Entweder durch das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild oder bspw. durch zur Schau gestellte esoterische Praktiken. Ich finde das problematisch da man unter Umst\u00e4nden gehemmt ist sich als Heide zu \u201eouten\u201c, da dies in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung ggf. negativ aufgefasst wird. Besonders wenn man \u00f6ffentlich f\u00fcr einen Stammtisch oder einen Verein aktiv ist, kann das im Privatleben oder Berufsleben zu Konflikten oder Diskussionen f\u00fchren. Das kann in der Heidenszene nat\u00fcrlich weiter zur Eskalation f\u00fchren und die Gr\u00e4ben weiter aufrei\u00dfen, was von au\u00dfen betrachtet dann wie eine zerstrittene und uneinige Heidenszene aussieht. Hier werden dann bestimmte Ursachen reingedeutet, wie Egozentrik einzelner, Arroganz und Geltungssucht anderer Gruppen, oder gar ein Missionierungsziel oder Dogmatisierungen. Ich denke das ist allerdings lediglich die Folge des Unverst\u00e4ndnisses, dass es es nicht <u>ein<\/u> Heidentum oder <u>eine<\/u> Heidenszene, mit einer \u00e4hnlichen Zielsetzung gibt, sondern nach meiner Auffassung verschiedenste Heident\u00fcmer, die fast unterschiedlicher und teilweise sogar gegens\u00e4tzlicher kaum sein k\u00f6nnten. Probleme gibt es immer dann, wenn jemand von intern oder extern versucht das Heidentum zu definieren und allgemeing\u00fcltig darzustellen \u2013 denn das kann nicht funktionieren und wird immer zu Konflikten f\u00fchren.<\/p>\n<p>Eine L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem in G\u00e4nze kann ich hier auch nicht bieten, nur ein pers\u00f6nliches Fazit ziehen.<\/p>\n<p>Wichtig ist nat\u00fcrlich erst mal das Besinnen auf die Gemeinsamkeiten und der der offene Austausch. Es darf auf keinen Fall der Wunsch oder der Eindruck entstehen den anderen \u00fcberzeugen zu wollen. Austausch kann nur dann funktionieren wenn man bereit ist voneinander zu lernen. Nat\u00fcrlich ist das etwas differenzierter zu sehen, wenn z. B. Thesen der Ariosophie , Theosophie oder rechte, bzw. NS-Propaganda und Symboliken unter der Fahne des Heidentums verbreitet werden. Dagegen muss vehement und konsequent vorgegangen werden. Aber auch hier erreicht man mit Fingerspitzengef\u00fchl oft mehr als nur mit dem erhobenen Zeigefinger, vor allem wenn es aus Unwissenheit passiert. Man muss auch akzeptieren, dass nicht jeder Heide Lust, Zeit oder die M\u00f6glichkeiten hat sich mit arch\u00e4ologischen Erkenntnissen oder mit den Thesen von C.G. Jung zu befassen und einfach die Spiritualit\u00e4t oder das Gef\u00fchl lebt, die beispielsweise am Bl\u00f3tfeuer oder schlicht bei einem Waldspaziergang entsteht. Andersherum sollte man dann aber auch unterscheiden k\u00f6nnen zwischen der privaten und erlebten Spiritualit\u00e4t und Auffassung und dem was man ggf. als allgemeing\u00fcltig darstellen kann.<\/p>\n<p>Wenn man Veranstaltungen organisiert, Interviews gibt oder Blogs bzw. Beitr\u00e4ge in sozialen Netzwerken oder Foren schreibt sollte man tunlichst vermeiden sich anzuma\u00dfen f\u00fcr das ganze Heidentum zu sprechen oder zu schreiben oder gar \u00fcber die jeweils andere Seite herzuziehen. Ich denke wenn man diese Punkte beherzigt und erkennt, dass das Heidentum f\u00fcr jeden ein bisschen anders ist kann man diese Grabenk\u00e4mpfe vermeiden und insgesamt verringern. Was bei uns beim Stammtisch im Kleinen m\u00f6glich ist, kann theoretisch auch im Gro\u00dfen m\u00f6glich sein.<\/p>\n<blockquote><p>Anmerkung des Autors: Der Vollst\u00e4ndigkeit halber m\u00f6chte ich anf\u00fcgen, dass der Text ausschlie\u00dflich meine Meinung und Gedanken wiedergibt und nicht stellvertretend f\u00fcr den ganzen Stammtisch steht.<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Stammtisch verfolgt ein offenes Konzept. Das bedeutet, dass wir germanische Heiden, keltische Heiden und Hexen in unseren Reihen haben und offen f\u00fcr alle paganen Richtungen sind. Da wir uns auf unsere Gemeinsamkeiten besinnen, gewinnen wir alle aus dieser Situation und k\u00f6nnen unseren Horizont und unser Wissen kontinuierlich erweitern. 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