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Vorstellung von Amalar

Name: Andreas
Geboren: 1986
Beruf: Wirtschaftsinformatiker
Interesse am Heidentum seit: etwa 2010
Beim Heidenstammtisch Trier seit: Gründungsmitglied 🙂
Im Eldaring seit: Januar 2014

Ich versuche mich kurz zu fassen. Wem das zu kurz ist, der lese einen anderen Beitrag von mir: Warum ich mich nicht Ásatrúar nenne

Seit 2012 bezeichne ich mich bewusst als Heide. Ich hatte mich vorher schon länger mit germanischen Mythen beschäftigt; ich fand sie einfach interessant und schön. Mein Elternhaus ist teils katholisch, teils naturalistisch geprägt. Auch wenn mein Verstand mir sagte, dass letzteres der vernünftigere Weg sei, wer das als junger Mensch sehr verwirrend und verzweifelnd. Ich las die Bibel, las den Katechismus, sprach mit Christen, Atheisten, Indifferenten und Heiden. Die Verwirrung und Verzweiflung verschwanden aber keineswegs.

Der Wendepunkt kam, als ich las, dass es so etwas wie „Aufgeklärtes Heidentum“ gäbe. Ich erfuhr, dass humanistische Religionskritik dort gar nicht greift, dass Heidentum durchaus einem physikalischen Naturalismus entsprechen kann. Mir zeigte sich, dass das Heidentum entwicklungsfähig ist und das menschliche Wesen in all seiner Komplexität wiederspiegelt. Der ausgeprägte Ahnenkult und die Verbindung zu meiner Heimat, sowie die Ästhetik von Kult und Mythos taten ihr übriges. Schließlich wusste ich, dass ich ein Heide bin.

 

 

Warum ich mich nicht Ásatrúar nenne

Das germanische Heidentum ist vielschichtig und es verbirgt sich hinter unterschiedlichen Namen. Im Internet und der gängigen Lektüre gibt es zahlreiche sehr gute Erläuterungen hierzu, insbesondere zu Ásatrú. Daher werde ich das nicht weiter vertiefen. Auch ein großer Teil unserer Gruppe rechnet sich wohl eher dieser Sparte zu. Dieser Artikel versucht nun allerdings etwas abseits zu graben und aufzuzeigen warum die Bezeichnung Ásatrú für mich keine primäre Rolle spielt, ich mich aber dennoch einen germanischen Heiden nenne. Ich schneide dabei Dinge an welche meiner Meinung nach häufig – wenn auch unbeabsichtigt – von vielen Heiden und Nichtheiden unbeachtet bleiben, aber dennoch interessant zu wissen sind. Wie es mit der eigenen Meinung so ist, sind die folgenden Aussagen mitunter nicht für jedermann gültig; sollen viel mehr zum Mitdenken anregen.

Jeder Heide welcher seine Religion nicht ausschließlich esoterisch auslebt, versucht sich Informationen zu beschaffen wie sie anno dazumal ausgelegt und ausgelebt wurde. Ein Großteil der Heiden bezieht sich dabei meiner Meinung nach überwiegend auf skandinavische oder isländische Hinterlassenschaften und bezeichnet sich daher als Ásatrúar. Zugegebenermaßen ist die Quellenlage in diesem Teil Europas verhältnismäßig gut. Weniger Heiden beziehen sich auf kontinentalgermanische Bereiche oder evtl. auch angelsächsische. Hier trifft man häufiger auf den Begriff der Firnen Sitte – welcher den Kult und die Gebräuche unserer vorchristlichen Ahnen bezeichnet – beziehungsweise die Selbstbezeichnung Firnleute. Im Vergleich zum Norden ist die Quellenlage allerdings katastrophal sowohl Mythologie, Kult, wie auch tägliches Leben betreffend. Dazwischen gibt es sicherlich auch eine Gruppe welche aus beiden Teilen Informationen abzieht und weniger lokal fixiert ist. Dies ist in unserer Stammtisch- und Blozgruppe nicht anders. So viele Gesichter, so viele Meinungen gibt es.

Ich persönlich versuche beim Ausleben meiner Religion einen starken lokalen Bezug zu schaffen, habe aber auch ein großes Bedürfnis nach Rekonstruktion, Authentizität und Vernunft. Das fängt bei Kleinigkeiten an, indem ich versuche statt (alt)nordischen althochdeutsche (bzw. dialektische) Begrifflichkeiten zu verwenden: ich sage nicht Blòt oder Thor oder Frigg sondern Bloz und Donar und Fria. Es geht aber natürlich noch viel weiter: bei jedem religiösen Inhalt muss ich die Überlegung anstellen ob er für mich echt – also lokal relevant und tatsächlich heidnisch – ist, heute überhaupt noch auslebbar – man denke an heutige humanistische Ethik – ist oder wenigstens plausibel erscheint und ob er mit meiner naturalistischen Weltanschauung einhergeht, also nicht im Jenseits und Unbeweisbarem schwelgt.

Darüber hinaus ergibt sich für mich ein massives Quellenproblem. Es gibt schlichtweg kaum erhaltene Nachweise für ein praktisches germanisches Heidentum außerhalb Skandinaviens, geschweige denn in der Eifel oder der Region Trier. In meiner Heimat kommt noch hinzu, dass die historische Bevölkerung bis zur Zeitenwende – spätestens aber der Völkerwanderung – wohl eher Kelten und Römern zuzurechnen war als denn Germanen. Abgesehen davon ist gerade die römische Kaiserstadt Trier ein Brennpunkt des christlichen Glaubens geworden und die später ansässigen germanischen Franken wohl eher nicht als Heiden zu bezeichnen. Einzelne potentielle Eifeler Heidenhöfe – um nicht von Hinterwäldlern zu sprechen – sind erst recht dünn dokumentiert. Diese Region ist also über einige hundert Jahre hinweg einem starken Nebeneinander und Nacheinander ausgesetzt gewesen, was es unmöglich macht von einer vermeintlichen einheitlichen Religion unserer Ahnen zu sprechen. Historisch gesehen macht die Bezeichnung Ásatrú also keinen Sinn, abgesehen davon, dass sie ein Neologismus aus dem 19. bzw. 20. Jahrhundert ist. Da die Bezeichnung Firne Sitte tatsächlich historisch zur Abgrenzung vom Christentum verwendet wurde und nicht auf einen bestimmten Kult fixiert ist, mag sie etwas neutraler sein. Man vergleiche auch den nicht unähnlichen römischen Mos Maiorum (lateinisch für „Sitte der Vorfahren“).

Doch warum verfolge ich dann ausgerechnet ein eher germanisch geprägtes Heidentum wo doch kaum ein heidnischer Germane hier lebte? Zum einen einfach weil ich mich dazu hingezogen fühle, rein aus dem Bauch heraus, ganz irrational; es fühlt sich richtig an. Müsste ich es dennoch mit dem Kopf erklären, dann könnte ich diverse Gründe vorbringen. Zusammenfassend sind es diese vier; wobei sich zwei auf das Heidentum allgemein und zwei auf Firne Sitte im Konkreten konzentrieren:

Erstens habe ich das Bedürfnis mich vom Christentum abzugrenzen. Der christliche Anspruch auf Absolutheit und der vorherrschende Dogmatismus stehen für mich in starkem Widerspruch zu kultureller Vielfalt, Entwicklungsfähigkeit und demokratischen Werten. Ich habe teils erhebliche Probleme einer christlichen Moralvorstellung oder gottgegebenen Dingen in den Ausführungen anderer zu folgen. Die harsche Unterscheidung in Gut und Böse, in moralisch wahr und moralisch falsch mag zwar einige Dinge im Leben einfacher machen, entspricht aber meiner Erfahrung nach nicht der Realität, ganz davon abgesehen, dass sie die Menschheit vor erhebliche ethische Probleme stellt. Das menschliche Handeln ist überaus komplex und ambivalent und benötigt daher einen entsprechend komplexen Spiegel.

Zweitens bieten im Gegensatz dazu gerade vorchristliche, heidnische Religionen aufgrund ihrer dünnen Quellenlage die Möglichkeit zur Interpretation und Freiheit. Das mag für den ein oder anderen zur Willkür verleiten. Für mich ist es aber Grundlage für individuelle Glaubensvorstellungen innerhalb einer Religion ohne dabei den gemeinsamen Kult zu verlassen. Darüber hinaus zeigen die belegten Überbleibsel in den seltensten Fällen Anzeichen für Absolutheitsansprüche, Dogmatismus oder zwingend zu befolgende göttliche Weisungen. Sie sind sogar so frei, dass sie erlauben, ein naturalistisches, aufgeklärtes Welt- und Gottesverständnis zu praktizieren ohne in Widerspruch mit sich selbst zu geraten. Selbst die Religionskritik von Humanismus und Atheismus ist auf ein Heidentum wie ich und andere es leben nicht anwendbar. Dies haben bereits antike Philosophen erkannt. Es ist aber leider in den Köpfen weniger verblieben und hat nie den Weg in die Gedanken der breiten Masse geschafft.

Drittens war und ist das was sich an heidnischem Rest – jeweils bezogen auf die jeweilige Region – in unsere heutige Zeit gerettet hat, Bestandteil unserer Kultur geworden und hat daher einen unbedingten Erhaltungswert. Man denke an Sagen und Märchen, an Brauchtum und Ausgrabungen vergangener Zeiten. Gerade die Firne Sitte beinhaltet eine tiefe Erinnerungskultur über zwei Ebenen hinweg: über Individuen der persönlichen Ahnenreihe aber auch über gesellschaftliche, überpersönliche Leistungen und Geschichten. Das Wissen über die vergangene Kultur und Natur ermöglicht es uns, unser heutiges und zukünftiges Leben zu definieren. So gibt es einige germanische – aber natürlich nicht ausschließlich – Bestandteile, beispielsweise von sprachlicher Gestalt, welche wir durch die fränkische, in unsere heutige Kultur mitgenommen haben. Und über diese Kulturbestandteile besteht wiederum eine Verbindung zu den antiken heidnischen Völkern meiner Heimat.

Viertens sprechen mich einige Konzepte der germanischen Gesellschaft – die Firne Sitte als religiöser Ausdruck ist hiervon eigentlich nicht zu trennen, sondern war immer Bestandteil der Gemeinschaft – und der Mythologie besonders an. Natürlich sind diese wiederum überwiegend in nordischen Quellen belegt, aber es finden sich auch Anklänge in südgermanischen Überlieferungen. So ist das Schicksal eines Menschen nicht vorbestimmt, und eben doch nicht frei wählbar. Stattdessen bewegen sich Individuen und Kollektive in einem Schicksalsnetz; schöpfen dabei ihr eigenes Heil, leben aber unter den Bedingungen die sie und andere schaffen. Sie stehen damit sogar im Einklang aktueller Hirnforschung. Die Erinnerungskultur habe ich bereits in Punkt drei angesprochen. Darüber hinaus zeichnen sich sowohl die Menschen- wie auch die Götterwelt durch einen recht starken Pragmatismus aus; man ist sich der eigenen Ambivalenz bewusst. So gibt es dann auch keine Erbsünde oder ein Erlösungsbedürfnis sondern nur eine „Sünde“ gegenüber einer durch die Gemeinschaft aufgestellten Moral. Durch die Nichtexistenz des objektiv Negativen, wie des objektiv Positiven ist das germanische Denken damit auch erstaunlich kompatibel zu evolutionär-humanistischer Ethik.

Und so kommt es, dass sich meine Gedanken und meine Gebete in althochdeutschen Begriffen und Stabreimen ausdrücken, die von mir verehrten und betrachteten Gottheiten durch ihre Lokalität aber keinen Hehl daraus machen, dass sie nicht zwangsläufig germanischen Ursprungs sind. Und dennoch waren und sind sie hier heimisch. Ein schönes Beispiel für diese Vielfalt sind die für mich besonders wichtigen Matronen; die Muttergöttinnen keltisch-germanischen Typus aus der Nordeifel, welche aber insbesondere durch den römischen Votivkult überliefert sind und selbst bis heute von Katholiken regelmäßig besucht und verehrt werden.

Zur weiteren Lektüre empfehle ich den Blog einer Mos Maiorum Gruppe in der Nordeifel über eine etwas andere Religion unserer Ahnen (Mos Maiorum – Der Römische Weg), Bücher über die Unterscheidung von Gut und Böse (bspw. „Jenseits von Gut und Böse“ vom humanistischen Philosophen Michael Schmidt-Salomon), sowie das Buch welches mir schlussendlich gezeigt hat, dass ich ein Heide bin: „Aufgeklärtes Heidentum“ vom Vorsitzenden des Eldaring e.V. Andreas Mang.

Mittsommer 2015

Von Freitag, den 19. Juni bis zum Sonntag, den 21. Juni feierten wir Trierer Heiden zum zweiten mal in Folge unser Mittsommerbloz. Auf einer Wiese in der Eifel, direkt an der Salm gelegen, schlugen wir zu unsere Zelte auf und machten es uns am Feuer gemütlich. Das Wetter war nicht das wärmste und trockenste, aber bei allerlei Grillgut, alkoholischen Getränken und Liedern störte das niemanden von uns sechsen.

 

Ebenso kurzweilig wie der Freitagabend war auch der Samstag. Zwar war auch der Morgen etwas trüb und feucht, das hinderte einige aber nicht im 10 Grad kalten Bach ein Bad zu nehmen. Etwa um die Mittagszeit erreichten uns drei weitere von unserer Gruppe. Gemeinsam kochten wir einen vorzüglichen Eintopf, welcher bis in die Nachtstunden reichte. Den Nachmittag verbrachten wir mit Geselligkeit und dem Bau eines Sonnenrades. Das Sonnenrad in Form eines Radkreuzes fasste schlussendlich um die 1,5 Meter im Durchmesser. Es wurde an zwei Pfählen hinter unserem Altar aufgestellt, welchen wir wie üblich reich schmückten. Tatsächlich fand jemand sogar einen hölzernen Drachenkopf mit steinernen Augen, welchen wir unbedingt integrieren mussten.

 

Gegen 11 begann unser Bloz. Auch dieses verlief wie üblich unter größter Harmonie und Emotion. Nach der Hammer- und Feuerweihe beschlossen wir den Kreis mit den Worten: „Ich bin …! Ich bin hier!“. Darauf folgte eine lange intensive Intonation von Sunna und Balder (Sol und Baldur im Nordgermanischen). Gemeinsam luden wir die Götter ein. Zuerst Sunna, die Personifikation der Sonne und Balder als gleichfalls strahlenden Gott und Ausdruck der schwindenden, aber zyklisch wiederkehrenden Annäherung an Perfektion. Auch Wodan (Odin) der Rabengott wurde eingeladen an unserem Opfer teilzuhaben. Darauf folgten Freyr und Freya. Als Götter der Fruchtbarkeit, der Lust und der Liebe begleiten sie diese Jahreszeit, welche historisch vielmehr durch Lebensfeste und Hochzeiten geprägt ist, als durch götterbezogene Rituale. Mit Lied und Lyrik luden unsere keltischen Freunde ihre Götter ein. Auf Trank- und Speisopfer, (diesmal ein Brot in Form einer Blüte als Symbol für diese Jahreszeit) folgte ein mit fünf Runden recht kurzes, aber dennoch intensives Sumbel. Abgeschlossen wurde das Bloz gleich zweimal. Einmal durch Singen des Herdfeuerliedes und Öffnen des Kreises. Anschließend ein zweites Mal durch Entzünden unseres großen Sonnenrades. Aufgrund des feuchten Wetters brannte es nicht vollständig ab, was der Symbolik aber kein Abbruch tat. Eine Weile standen wir noch um den Altar, bedächtig die Stille genießend.

Gemeinsam gingen wir ins Lager zurück. Unsere keltischen Freunde verabschiedeten sich, aufgrund des noch weiteren Heimweges. Der Rest machte es sich erneut am Feuer gemütlich. Da es allen in allem ein arbeitsreicher und interessanter Tag war, machte sich schnell Müdigkeit breit. Es wurden noch ein wenig Bier und Likör genossen bis auch die letzten zwei in Ihre Schlafsäcke krochen.

Am nächsten Morgen krochen ebenso alle nach und nach aus unseren Zelten. Es wurde ein letztes Mal ausgiebig gemeinsam gefrühstückt um anschließend mit den Aufräumarbeiten fortzufahren. Im frühen Nachmittag verließen wir im Regen, aber mit gutem Gefühl den Platz. „Bis zum nächsten Stammtisch“, sagte ein jeder mit einem Lächeln im Gesicht.

 

Eine Eheleite im Juni

Am vergangenen Samstag, den 6. Juni 2015 haben sich zwei unserer Mitglieder getraut und sind den Bund der Ehe vor ihrer Familie, ihren Freunden und den Göttern eingegangen.

Bereits über einen längeren Zeitraum hatten die beiden auf den Stammtischen angekündigt eine Eheleite nach germanischem Vorbild zu vollziehen. Nun ist es so, dass die letzte originär vorchristliche Eheschließung schon einige Jahrhunderte vergessen ist und nicht viele Informationen erhalten geblieben sind. Das was überlebt hat, sind einige wenige Schriftstücke, maßgeblich aus Skandinavien und Island, sowie Brauchtum welchem man mitunter einen heidnischen Hintergrund nachsagt. Unser Paar hat sich also zusammen mit ihrem guten Freund und Blozleiter (welcher ebenfalls unserer Gruppe angehört) daran gemacht Informationen zu sammeln und ein neues Ritual nach altem Muster zu schaffen.

Um es vorwegzunehmen: meiner persönlichen Einschätzung nach ist die Eheleite äußerst gelungen. In erster und wichtigster Linie im Hinblick auf die Beziehung zwischen Braut, Bräutigam und Familie. Aber auch die Durchführung des Rituals war sehr gut gestaltet. Aufgrund der äußerst dünnen Quellenlage und der persönlichen Beziehung zwischen Göttern und Menschen, gibt es selbstverständlich kein richtiges oder falsches Hochzeitsbloz. Vielmehr müssen hier erst noch neue Möglichkeiten, ja Traditionen geschaffen werden. Um die Quellenlage aber für die Zukunft aufzubessern möchte ich euch schildern wie das Bloz abgelaufen ist.

Gefeiert wurde das Ritual auf einer größeren dreiecksförmigen Wiese, welche von zwei Seiten von Bächen umgeben war. An der spitz zulaufenden Ecke wurde ein reichhaltiger Altar samt Trinkhörnern, Brautgeschenken und rituellem Schmuckwerk aufgebaut. Besonders schön fand ich, dass einige Gäste Opfergaben mitbrachten und diese vor der Zeremonie am Altar niederlegten. Ein paar Meter vor dem Altar stand unser Feuerkorb um welchen sich der Kreis aus Brautpaar, Eltern und Geschwister schloss. Um diesen inneren Kreis herum bildeten dann der Altar und die Gäste einen äußeren Kreis.

Blozleiter und Schankmaid eröffneten die Zeremonie mit unserer klassischen Hammer- und Feuerweihe sowie Gesang. Es wurden drei Fackeln entzündet und den drei Phasen des Schicksals gewidmet, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein Bezug zu den drei Nornen klang durch. Anschließend wurden die Götter, Odin und seine Frau Frigg, aber auch Freyr und Freya und die Göttin der Schwüre und Treue, Var, eingeladen an dem Fest teilzunehmen und dem Brautpaar ihren Segen zu schenken. Brot und Met wurden geweiht, jeder nahm sich ein Stück, der Rest wurde im Feuer geopfert. Als Geschenk erhielt das Brautpaar ein Familienhorn, graviert mit ihren Namen und einem Thorshammer. Das Horn wurde mit der Bitte an Njord, stets nur guten Trank hervorzubringen, gesegnet. Auf diese Weise wird es sicherlich lange in der Familie verbleiben.

Zum Abschluss des Rituals wurde gesumbelt, so wie es in unserer Gruppe üblich ist, mit drei Runden auf die Götter, Ahnen und Wesenheiten. Anschließend wurden die Eheringe geweiht und dem Brautpaar übergeben. Mit zwei schönen Ehegelübden schwor sich unser Paar ewige Treue. Sie besiegelten dies mit dem Austausch der Ringe und eines innigen Kusses. Zum Abschluss der Zeremonie wurde der Kreis geöffnet. Das Brautpaar positionierte sich nun vor dem Altar und wurde von den Gästen besucht. Es wurden Glückwünsche und Lebensweisheiten übergeben um daraufhin aus dem Sumbelhorn zu trinken.

Nach und nach, mit kleiner werden der Glückwunschschlange, leerte sich die Wiese und das Fest verlagerte sich in den angrenzenden Hof. Bei allerlei Leckereien, Getränken und guten Gesprächen und Unterhaltung dauerte diese Eheleite bis früh in den Morgen.

Dem Brautpaar ein Hoch und vielen Dank für diesen, auch als Gast, unvergesslichen Tag.

Hohe Maien/ Beltane 2015

Am Freitag, den 01. Mai 2015 hat sich unsere Stammtischgruppe erneut zu einem Bloz getroffen. Der erste Mai ist traditionell mit Bräuchen und Festen zu Ehren des Sommers belegt. Man denke nur an die in jedem Ort aufgestellten Maibäume oder das keltische Fest Beltane.

DSC_0159Gemeinsam fuhren wir zu einem Platz in der Nähe von Palzem. Obowhl der Platz unmittelbar an einem Weg lag, wirkte er durch den nahen Wald, die umringenden Felswände und vereinzelte Felsbrocken äußerst idyllisch. Auf einem ansprechenden Felsen bereiteten wir unseren üblichen Altar mit Kerzen, Horn, Hammer und Opfergaben.

Da dieses mal ein paar Neuankömmlinge teilnahmen besprachen wir noch einmal kurz den Ablauf des Bloz um anschließend mit der Hammerhegung zu beginnen. Die anschließende Feuerzündung wurde durch Gesang und einen anschließenden Weihspruch begleitet. Trotz des sehr schönen Gesangs wollte das Feuer nicht so recht mitspielen und es dauerte eine ganze Weile bis es brannte. Die Anrufung und Einladung der Götter, sowie auch die anschließende Sumbelrunde war dieses mal besonders intensiv und umfangreich. Jeder einzelne hatte die Gelegenheit sich tief in die eigene Gefühlswelt zu begeben, aber auch sich mit den anderen als Gemeinschaft zu verbinden. Zwei sehr gelungene Brot, eines in Form eines Rades, das andere als Ährenbund machten zusammen mit Met und Apfelsaft die Runde. Nach dem Sumbel pflanzten wir drei mitgebrachte Birken und schmückten sie mit bunten Bändern, so wie es hier in unserer Region auch in öffentlichen, wie auch privatem Rahmen der Brauch ist. Jedes Band stand dabei für einen uns wichtigen Gedanken, den wir auf diese Weise den Göttern mitteilen konnten.

DSC_0169Anschließend öffneten wir die Runde und beendeten offiziel das Bloz. Nichts destotrotz verweilten wir noch alle mit reichlich positiven Gefühlen gesellig am Feuer und reichten noch ein paar mal das   Methorn herum, bis nach und nach jeder seinen Heimweg antrat.

Ich freue mich nach diesem wunderbaren Bloz bereits auf das nächste Wiedersehen…

 

Literatur zum germanischen Heidentum

(diese Liste ist unvollständig)

Geschichte, Kultur und Mythologie der Germanen

Tor Åge Bringsværd: Die wilden Götter: Sagenhaftes aus dem hohen Norden.

Gardenstone: Göttin Holle: Auf der Suche nach einer alten Göttin.

Gardenstone: Wilde Jagd und Wütendes Heer: Ein Streifzug

Arnulf Krause: Die Edda des Snorri Sturluson.

Arnulf Krause: Die Geschichte der Germanen.

Arnulf Krause: Die Götterlieder der Älteren Edda.

Arnulf Krause: Die Heldenlieder der Älteren Edda.

Rudolf Simek: Götter und Kulte der Germanen.

Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie.

Rudolf Simek: Religion und Mythologie der Germanen.

Andreas E. Zautner: Der gebundene Mondkalender der Germanen – Rekonstruktion eines Lunisolarkalenders nach antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Quellen.

Praxiswerke

Vicky Gabriel: Der alte Pfad: Wege zur Natur in uns selbst.

Gardenstone: Germanischer Götterglaube: ASATRU – Eine neue Religion aus alten Zeiten.

Jan Fries: Seidwärts: Schütteltrancen, Siedezauber, Schlangenmysterien.

Andreas Mang: Aufgeklärtes Heidentum – Philosophien – Konzepte – Vorstellungen

Kurt Oertel, Kveldúlf Hagan Gundarson: Ásatrú – Die Rückkehr der Götter.

Fritz Steinbock: Das Heilige Fest – Rituale des traditionellen germanischen Heidentums in heutiger Zeit.

Voenix: Weltenesche Eschenwelten: Das germanische Götterorakel und Nachschlagewerk.

Runen

Wissenschaftliche Einführung

Klaus Düwel: Runenkunde.

Esoterische Darstellung

Freya Aswynn, Michael de Witt: Die Blätter von Yggdrasil: Runen, Götter, Magie, Nordische Mythologie & Weibliche Mysterien.

Jan Fries: Helrunar: Ein Handbuch der Runenmagie.

Über uns

Der Heidenstammtisch Trier ist eine offene Gemeinschaft von Heiden verschiedenster Ausprägungen und besteht seit Herbst 2013. Ein großer Teil bezeichnet sich als germanische Heiden (auch Ásatrú oder Alte Sitte) und steht dem Eldaring e.V. nahe. Aufgrunddessen hat die Gruppe in der Tendenz eine germanische Ausrichtung. Allerdings sind auch Kelten (aus dem Celtoi e.V.) und freifliegende Hexen ein fester und nicht wegzudenkender Bestandteil unserer Gemeinschaft. Die Gruppe sowie der Stammtisch sind weder an eine Religion noch einen Verein gebunden. Teilnehmen kann ein Jeder, egal ob er sich Heide, Christ oder Atheist nennt. Ein ernsthaftes Interesse an den vor-/ nichtchristlichen heidnischen Kulten und Sitten, aber auch der modernen neuheidnischen Strömungen sollte Vorraussetzung sein.

Neben den Stammtischen feiert die Gruppe über das Jahr verteilt gemeinsame Opferfeste (Blóts). Das germanische Blót ist das Herzstück der Alten Sitte in welchem unsere Ahnen und die Götter geehrt werden. Aber auch hier ist die Teilnahme nicht beschränkt. Gerne werden auch Elemente anderer heidnischer Strömungen integriert um den Wünschen und Bedürfnissen aller Teilnehmer gerecht zu werden.

Das Heidentum ist eine weltoffene und tolerante Religion. Für jedweden totalitären oder fundamentalistischen Meinungen oder Praktiken ist dort und auch in unserer heidnischen Gemeinschaft kein Platz. Die Gruppe als solche ist politisch neutral und toleriert keinerlei Mitglieder welche sich nicht zur freiheitlich demokratischen Grundordnung Deutschlands bekennen können.

Der Stammtisch

Der Stammtisch findet immer monatlich im Restaurant Postillion in der Herzogenbuscher Straße, Trier statt. Die Termine sind unter Woche um 19:00 Uhr. Die Tage werden aber stets neu vereinbart und hier veröffentlicht um wechselnden Arbeitszeiten gerecht zu werden. Wir legen großen Wert auf einen gepflegten Austausch und Diskussionen in angenehmer Atmosphäre.

Möchtest du einen Stammtisch besuchen, dann gib uns bitte voher kurz Bescheid, damit wir den Platzbedarf vorher mit dem Lokal abstimmen können.

Kommunikation

Die Gruppe kommuniziert und diskutiert hauptsächlich über eine geschlossene Facebook-Gruppe. Der Erstkontakt ist aber auch über das Kontaktformular auf dieser Webseite möglich.

Unser Logo

Der Baum steht für das Heidentum als Naturreligion. Die menschliche Gestalt deutet auf die Mitglieder, ihre unterschiedlichen Wurzel, dennoch ähnlichen Ideale hin. Verwurzelt ist der der Baum in unserer Region, dargestellt durch die Mosel und die Hügel der Eifel und des Hochwaldes.

Mittsommerbloz 2014

Ich möchte euch vom Mittsommerbloz des Asatru- und Heidenstammtischs zu Trier berichten.

Wir waren acht Männer, Frauen und Kinder.  Ort des Geschehens war eine private Wiese in der Eifel. Dort angekommen, trugen wir unser Hab und Gut auf den Platz. Die Wiese liegt abseits vom Ort, eingeschlossen von einem Bach und einem Wald. Leider waren, entgegen der Vereinbarung mit dem Pächter, die Pferde noch auf der Wiese. Aber wir konnten uns gut mit ihnen arrangieren. Lediglich Shelly, das kleine Shetlandpony war manchmal recht penetrant. (Gemüse und Gebildbrot scheinen verlockend auf Ponys zu wirken.)

Wir verbrachten einen schönen Nachmittag Geschichten zu erzählen, mit Baden und Angeln (erfolgreich mit Forelle). Wir kochten einen Eintopf, werkelten an einem Sonnenrad, kurz um: Wir hatten viel Spaß. Geplant war auch ein Spaziergang zum nahe gelegenen Werdelstein. Ein alter Kultstein, in welchem eine Spinnerin samt Spinnrad haust, und welcher sich um sich selbst dreht, wenn man die drei Kirchglocken der Nachbarsorte hört. Aus Zeitmangel mussten wir das leider liegen lassen.

Abends bereiteten wir im angrenzenden Waldstück den Blozplatz vor und besprachen den Ablauf. Wir integrierten auf Wunsch einige hexische Elemente. Dem Gesamtbild hat das gut getan und es unterstreicht die glaubensübergreifende Gruppenzugehörigkeit aller. Gegen 22 Uhr begann das Bloz. Nach der Platzweihe und Anrufen der Elemente und Götter, insbesondere Balder und Sunna, Frea, Donar und Njord, Gott und Göttin, opferten wir Trank und das Gebildbrot in Form eines Sonnenrades. In der dann anschließenden ruhigen Phase opferten einige persönliche Dinge und schickten Gedanken und Bitten mit auf den Weg. Die anwesenden Paare bekundeten ihre Liebe und Treue untereinander. Neben meinem neuen/ersten Ritualhammer ließ Skallvadr ein Schutzamulett für einen schwerkranken Angehörigen weihen. Darauf folgte ein sehr bewegendes und mitreißendes Sumbel. Schließlich wurde das Ritual geschlossen, wir löschten das Feuer und kehrten zum Lagerplatz zurück. Dort unten am Bach entzündeten wir das gefertigte Sonnenrad, erhoben es gen Himmel und warfen es in die Salm.

Gemeinsam verbrachten wir noch ein paar Stunden mit Met und Bier und allerlei Leckereien am Lagerfeuer. Wir hörten die Geschichte Balders und die Damen sangen einige schöne Lieder. Irgendwann schlichen wir alle in unsere Schlafsäcke.

Die Nacht war recht kalt, aber der Morgen danach wieder schön warm und sonnig. Nach dem Frühstück packten wir unseren Kram und räumten den Platz.

Alles in allem, war es wiedermal ein wunderschönes und bewegendes Ritual. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie toll unsere noch junge Gruppe interagiert und welche schönen Momente im gemeinsamen Bloz, über glaubenstechnische Unterschiede hinweg, entstehen. Auch die Tatsache, wie Daniels Kinder interessiert teilnahmen, freut mich sehr.